Gefährdet „Projekt Smartbees“ die Dunkle Biene?

dunkle-biene-norwegenAm 01. November 2014 wurde das europaweite „Projekt Smartbees“ unter Beteiligung von 16 Partnern aus Universitäten, Forschungsinstituten und Firmen aus 11 europäischen Ländern ins Leben gerufen. Zielsetzung soll nach eigenen Angaben sein: „Die Erarbeitung eigener Wege, um die Völkerverluste durch die Varroa-Milbe und assoziierte Viren zu verringern und die Verdrängung lokaler Bienenrassen und Ökotypen durch Importe einzudämmen“. Das Team bestehe, so die Verantwortlichen, aus Genetikern, Molekularbiologen, Parasitologen, Virologen, Immunologen, Kommunikationswissenschaftlern, Mathematikern und Bienenspezialisten unter der Leitung von Prof. Dr. Kaspar Bienefeld vom Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V.. Das Projekt wurde von der EU mit rund 6 Millionen Euro gefördert. Ziel des Projekts ist es laut Bienefeld, „nachhaltig die Gesundheit und die genetische Vielfalt der Bienen in Europa zu verbessern“.

Unter Betrachtung dieser Zielrichtung könnte der unbedarfte Leser annehmen, es werde hier ein weiterer großer Schritt unternommen, um die in Mittel-, West-, Nord- und Osteuropa ursprünglich allein heimische Dunkle Biene Apis mellifera mellifera in ihren ursprünglichen Gebieten (und somit auch in Deutschland) zu schützen.

Diese Annahme erweist sich jedoch bei genauerem Hinsehen als falsch:

Ein näherer Blick auf die Teilnehmer in Deutschland zeigt, welche Institutionen bei dem Projekt Smartbees in Deutschland beteiligt sind: da ist zunächst das bereits erwähnte Länderinstitut Hohen Neuendorf mit Dr. Bienefeld an der Spitze; darüber hinaus nehmen das Bieneninstitut Kirchhain mit Dr. Ralf Büchler und die Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht mit Carnica-Zuchtobmann Friedrich Karl Tiesler aktiv teil. Es sind dies allesamt die Vertreter der Carnica-Zucht in Deutschland schlechthin! Wir erinnern uns: die Carnica ist in Mitteleuropa eine Fremdbiene, die vor ca. 150 Jahren eingeführt wurde.

Soll also unter dem Deckmäntelchen der „lokalen Biene“ unter Smartbees versucht werden, die fremde Carnica in Deutschland zur „heimischen Biene“ zu machen?

Folgende Aussagen geben hierüber Aufschluss:

In den Fragen und Antworten der Projektseite (FAQ) wird kurz aber eindeutig darauf eingegangen. Auf den Hinweis eines Fragenden, dass doch die Urbiene in Deutschland die Dunkle Biene sei und daher auf sie gesetzt werden solle, wird geantwortet: „Nein, denn die ursprünglich in Deutschland verbreiteten Formen von A. mellifera sind und bleiben verloren. Diese Situation ist anders als in Gegenden, in denen Reste der heimischen Bienenpopulation noch zu finden sind und bewahrt werden können. Es mag andere Gründe geben, in Deutschland dunkle Bienen zu halten: Ihr Beitrag zum Erhalt der Biodiversität ist aber eher klein“.

Diese Aussage ist falsch. Richtig ist: die Dunkle Biene Mitteleuropas war genetisch ziemlich einheitlich. Die skandinavischen Dunklen Bienen unterscheiden sich nicht von den mitteleuropäischen. Und: die Dunkle Biene aus Skandinavien durchwanderte auf ihrem Weg dorthin vor 10.000 Jahren auch das Gebiet des heutigen Deutschland!

Auf die Frage eines anderen Imkers (?), wie er denn Smartbees unterstützen könne, wird direkt auf das Zuchtmaterial der AG Toleranzzucht und somit auf die Carnica verwiesen.

Zitat des beteiligten Instituts Kirchhain: “Das letztendliche Ziel von SMARTBEES ist die nachhaltige Erhaltung der Bienen Europas sowie die züchterische Verbesserung von vitalen und produktiven lokalen Honigbienen.”

Diese Aussagen belegen: das Projekt Smartbees hat nichts mit dem Erhalt von ursprünglich heimischen Unterarten der Honigbiene in Europa und schon gar nicht der Dunklen Biene zu tun. Im Gegenteil:

Das Projekt Smartbees hat in Deutschland eine einzige Zielrichtung: die Förderung der Zucht der nicht heimischen Carnica als allein zuchtwerte Biene im Rahmen einer Toleranzzucht und die (erneute) Verdrängung der Dunklen Biene.

Quellen:

http://www.smartbees-fp7.eu/faq/

https://www.hu-berlin.de/de/pr/pressemitteilungen/pm1411/pm_141103_00

http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-EU-unterstuetzt-Projekt-Smartbees-mit-6-Millionen-Euro-1605205.html

http://www.toleranzzucht.de/home/newsdetails/agt-zuchtkonzept-als-grundlage-der-europaweiten-smartbees-zuchtinitiative/

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