Die Deutsche Imkerschaft und die Dunkle Biene 2014

Ein Kommentar von Kai-Michael Engfer

Begattungsplatz Dunkle Biene

Begattungsplatz Dunkle Biene

Die in Mitteleuropa einzige ursprünglich heimische Dunkle Biene Apis mellifera mellifera ist dank einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit in den letzten 10 bis 15 Jahren zunehmend in das Interesse der deutschen Imkerschaft gerückt. Insbesondere Internetpublikationen in Wort und Bild und Erfolgsberichte über die Arbeit mit der Nordbiene im Ausland trugen in den letzten Jahren zur steigenden Aufmerksamkeit bei. Der Leser, ja jeder Jungimker, könnte geneigt sein anzunehmen, dass die deutschen Imker in den letzten zehn bis zwanzig Jahren zunehmend toleranter geworden seien und auch offener der Dunklen Biene gegenüber. Tatsächlich geben sich in der virtuellen Welt manche, die bislang als harte Gegner der heimischen Dunklen Biene galten, oftmals ausgesprochen fromm und offen dieser neuen Strömung gegenüber.

Mit welcher Strömung haben wir es hier zu tun, die der Dunklen Biene in Deutschland den Boden bereitet? Nun, neben einigen wenigen, engagierten und erfahrenen Einzelkämpfern sind es vor allem am Naturschutz interessierte Neuimker, die zu Recht Wert legen auf eine naturgemäß ausgerichtete Bienenhaltung mit einer heimischen Biene. Viele dieser Neuimker möchten die “Wiederansiedlung” der Dunklen Biene in ihrer Urheimat Deutschland “unterstützen”.

Verfolgt man diese Bestrebungen, die sich hauptsächlich im Internet, manchmal aber auch in der imkerlichen Fachpresse wiederspiegeln, könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass die Imkerschaft neben der Carnica und der Buckfast nun auch die heimische Dunkle Biene wieder als weitere Zuchtrichtung hier völlig gleichberechtigt behandelt.

Die tatsächliche Haltung der deutschen Imkerschaft und insbesondere der allgemeinen Verbände ist aber eine deutlich andere.

Hiervon zeugen vielerlei Veröffentlichungen und Berichterstattungen der züchtersich maßgeblichen Stellen der deutschen Bienenwirtschaft in den letzten Jahren. Als Beispiel sei hier ein gemeinsamer Aufruf aller im D.I.B organisierten Zuchtverbände (Carnica) aus dem Jahre 2013 zu nennen, der jeden davor “warnt”, die Dunkle Biene bei sich aufzustellen. Und nicht enden wollen in diesem Zusammenhang auch immer wiederkehrende Meldungen über Frevel an Bienenständen der Dunklen Biene.

Ganz aktuell brodelt es derzeit wieder in der deutschen Imkerschaft: Auslöser war hier ein eigentlich harmloser, aber toleranter und sicher gut gemeinter Beitrag in der Januar-Ausgabe der Imkerzeitschriften die biene, Imkerfreund und ADIZ. Unter dem Titel “Mit Vielfalt zum Ziel” beleuchten die Autoren Prof. Dr. Karsten Münstedt, Dr. Philipp Teichfischer und Gerhard Fasolin, kritisch den derzeitigen Zustand in der deutschen Bienenzüchtung. Sie kritisieren insgesamt die Nachteile der Inzucht, insbesondere der Carnica-Inzucht, zeigen auf, dass die bisherigen Zuchtziele und -methoden im Widerspruch zur Vitalität stehen und nur die Vielfalt Spezialistinnen zur Bewältigung der heutigen Bienenprobleme bringe. Als Lösung wurden hier u. a. Diversitätsbelegstellen aufgeführt und die Wahl von Zuchtmaterial der Carnica, der Buckfast und der Dunklen Biene!

Dies schien ein Affront zu sein gegen die etablierte Carnica-Zucht in Deutschland, denn: in der Februar-Ausgabe der genannten Zeitschriften meldete sich nun der “Zuchtbeirat” des Deutschen Imkerbundes, Friedrich-Karl Tiesler, zu Wort, der in seinem langen Beitrag alle bislang schon bekannten Kampfparolen gegen die Bienenvielfalt und vor allem gegen die Dunkle Biene wiederholte. Es wurden und werden Argumente vorgetragen, die wir seit den 1950-er Jahren schon kennen: die Carnica sei an unsere Verhältnisse angepasst, sie sei “fast von allein” die Biene der BRD und DDR geworden, usw. Und vor allem: laut Tiesler äußerten sich “zunehmend Personen zu Themen auf dem Zuchtsektor, die die Landbiene in Deutschland … nicht kennen”. Die alte Arroganz ist offensichtlich immer noch vorhanden.

In der März-Ausgabe der Zeitschriften geht die Diskussion weiter. Nunmehr werden Leserbriefe aus der Imkerschaft selber abgedruckt, sozusagen aus der “Basis” heraus. Genauer betrachtet sind es 5 Stimmen, die sich in völlig unterschiedlicher Weise zu dem Thema äußern; von Carnica-orientiert bis hin zu “Buckfast-liberal”.

Angenehm und erfrischend fällt hier der Beitrag der Leserin und Wissenschaftlerin Sigrun Mittl auf, der einen besonderen Schwerpunkt auf den Natur- und Artenschutz in der Imkerei legt, auf eine naturgemäße Bienenhaltung und auch auf den Erhalt der Dunklen Biene. Wie Mittl jedoch eindrucksvoll darstellt, sei ihr geraten worden, nicht darüber zu reden, weil es Imker gebe, die in solche Bienenstände eindringen und Völker der Dunklen Biene vernichten würden. Ein trauriges Beispiel von Intoleranz.

Erschreckend dagegen erscheint hier eine Email des Imkermeisters des Bieneninstitutes Würzburg, Dirk Ahrens-Lagast (Mitarbeiter von BeeGroup, HOBOS, etc.); die Email liegt dem Kommentator vor. In dieser sehr langen ausführlichen Mail werden alle Argumente gegen die Dunkle Biene wiederholt, mögen sie auch noch so falsch sein. Und: Mellifera-Interessierte werden von dieser offiziellen Stelle direkt aufgefordert, keine Dunklen Bienen aufzustellen! Mehr noch: Ahrens-Lagast legt diesen Imkerfreunden ans Herz, doch lieber “Nisthilfen für Wildbienen” aufzuhängen, mit der Begründung, dass alle Bienen davon dann mehr hätten.

Auch in dieser Email zeigt sich wieder die bekannte Arroganz der Carnica-Lobby. Aufgrund der Länge und ausgefeilten Argumentationskette ist davon auszugehen, dass diese Email an mehrere versandt wurde / wird und dass sie demnächst wohl in den oben genannten Bienenzeitschriften als “Leserbrief” veröffentlicht werden wird.

Zusammenfassend lässt sich eindrucksvoll feststellen, dass nach wie vor auf allen Ebenen gegen Anhänger und Freunde der Dunklen Biene vorgegangen wird; von der D.I.B-Spitzenorganisation bis hintunter zum Carnica-Imker, der fremde Bienenvölker aufgrund ihrer Herkunft zerstört. Von einer gleichberechtigten Diskussion und Anerkennung auf Augenhöhe können wir in Deutschland also bei weitem nicht sprechen.

So stellt sich die deutsche Imkerschaft 2014 unverändert dar: einige progressive, junge Internet-Aktivisten steht der geballten, konservativen, starren Macht der Carnica-Lobby gegenüber. Wenn man der Geschichte Glauben schenkt, dürften sich diese Probleme durch den biologischen Werdegang in der Zukunft allerdings von allein lösen.

Kai-M. Engfer

Ein Gedanke zu “Die Deutsche Imkerschaft und die Dunkle Biene 2014

  1. Die Beurteilung der Propaganda zur Dunklen Biene macht schon sehr nachdenklich . Und es ist nicht neu in deutschen Landen ; man bleibt gern an alten Zöpfen hängen , obwohl doch neue Erkenntnisse ein Umdenken einfordern .
    Doch sollte man dazu die finanzielle Seite stärker beleuchten . Hier geht es mal wieder vordergründig um Eigennutz .
    Der Beitrag von K.M. Engfer ist da sehr passend.
    Wünsche uns , das sich der Imker von heute , mit diesem Problem sehr sachlich auseinandersetzt .
    Hans Schwarz

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